1.690 BTC — verkauft. Wieder. Unter dem Einstandspreis.
Strategy hat letzte Woche 1.690 BTC für 108,6 Millionen Dollar abgestossen — zu einem Durchschnittspreis von 64.262 Dollar pro Coin. Das bestätigt ein neues Form-8-K-Filing bei der SEC, das den Zeitraum vom 3. bis 9. August 2026 abdeckt.
Der durchschnittliche Einstandspreis der verbleibenden BTC-Bestände liegt bei 75.385 Dollar pro Bitcoin. Das heisst: Strategy verkauft mit einem rechnerischen Verlust von rund 11.000 Dollar pro Coin. Und das ist kein Versehen — es ist Absicht. Die Frage ist bloss: welche Absicht genau?
Bitcoin eröffnete heute Morgen bei rund 64.849 Dollar — und liegt damit ebenfalls deutlich unter dem, was Strategy im Schnitt für seine Bestände bezahlt hat.
Was Strategy da eigentlich tut — Schritt für Schritt erklärt
Um das zu verstehen, muss man wissen, wie das Modell funktioniert. Strategy hat sich nicht einfach Bitcoin gekauft. Das Unternehmen hat ein ganzes Finanzierungsgebäude errichtet: Aktienausgaben, Anleihen, und eine Reihe von Vorzugsaktien. Eine davon heisst STRC — intern «Stretch» genannt.
STRC ist eine an der Nasdaq kotierte Vorzugsaktie. Sie zahlt eine variable monatliche Dividende — aktuell 11,50 Prozent pro Jahr auf einen Nennwert von 100 Dollar — wobei Strategy die Rate monatlich anpasst, um den Kurs nahe am Nennwert zu halten. Die Erlöse fliessen in Bitcoin, die Rendite ist also eine Wette auf Strategys Kreditrisiko — und damit auf Bitcoin.
Das System funktioniert, solange STRC nahe bei 100 Dollar handelt. Fällt STRC unter pari, bricht ein Rad im Getriebe: Strategy kann dann keine neuen Anteile mehr über das At-the-Market-Programm ausgeben — und verliert damit einen zentralen Kanal, um Cash für Bitcoin-Käufe zu beschaffen.
Am 17. Juni 2026 fiel STRC auf ein Intraday-Tief von 88,50 Dollar — ein Abschlag von 11 Prozent auf den Nennwert. Das war der Auslöser für die aktuelle Notfallstrategie: Bitcoin verkaufen, um STRC zurückzukaufen und den Kurs zu stützen.
Was diese Woche konkret passiert ist
Zwei Massnahmen gleichzeitig:
- Strategy hat die gesamten 108,6 Millionen Dollar aus dem BTC-Verkauf verwendet, um 1.152.020 STRC-Aktien zurückzukaufen — zu einem geschätzten Durchschnittskurs von 94,27 Dollar je Aktie.
- Parallel dazu hat Strategy 6.585.682 MSTR-Aktien verkauft und damit 653,1 Millionen Dollar eingenommen — davon 650 Millionen direkt in den USD-Reservetopf.
Ergebnis: Per 9. August 2026 hält Strategy 840.447 BTC und 4,65 Milliarden Dollar in der USD-Reserve.
Saylor erklärte, die USD-Reserve decke jetzt 2,7 Jahre an Dividenden- und Zinszahlungen ab — 143 Tage mehr als zuvor. Diese Reserve enthält auch noch nicht abgerechnete Erlöse aus den ATM-Verkäufen und ist explizit dafür bestimmt, Dividenden auf Strategys Vorzugspapiere und Zinsen auf ausstehende Schulden zu bezahlen.
Die Wirkungskette — und wo sie kippen kann
Was hier passiert, ist keine Panik. Es ist die kontrollierte Ausführung eines Plans, den Strategy Ende Juni beschlossen hat — das sogenannte Digital Credit Capital Framework. Dieses Framework autorisiert begrenzte Bitcoin-Verkäufe, um Vorzugsdividenden, Rückkäufe und die Cash-Reserve zu finanzieren, wenn Aktienausgaben unattraktiv erscheinen. Seither hat Strategy keine neuen Bitcoin mehr gekauft, aber fast jede Woche Cash aufgebaut.
Zur Grössenordnung: 2026 hat Strategy bislang insgesamt 6.948 BTC verkauft — 32 im Mai, 3.588 zwischen Ende Juni und Anfang Juli, 1.638 Ende Juli sowie die aktuellen 1.690 Bitcoin.
Und hier liegt die eigentliche Spannung: Die Verkäufe finden weiterhin unter dem langfristigen Einstandspreis statt — es entstehen realisierte Verluste auf die veräusserten Coins. Strategy tauscht also zukünftigen Bitcoin-Upside gegen kurzfristige Stabilität im Vorzugsaktien-Apparat.
Die Logik dahinter ist nachvollziehbar: Wenn MSTR unter dem Wert seiner Bitcoin-Bestände handelt, wird neue Aktienausgabe verwässernd statt akkretiv. Wenn MSTR geschwächt ist, verliert STRC das Vertrauen. Wenn STRC unter pari fällt, stoppt das ATM-Programm. Wenn das ATM-Programm stoppt, kann Strategy kein Bitcoin mehr kaufen. Wenn der Kaufdruck wegfällt, fällt Bitcoin weiter.
Das ist ein Dominoeffekt, den das Unternehmen aktiv verhindern will — indem es Bitcoin verkauft, bevor dieser Kreislauf in Gang kommt.
Meine Einordnung
Ich habe in den letzten Wochen auf diesem Blog schon zweimal über Strategys Verkäufe geschrieben. Den ersten Verkauf im Mai — 32 BTC — habe ich als historisches Signal behandelt. Den Prager Auftritt von Saylor, bei dem er sinngemäss sagte, «nie zu verkaufen» gelte für Privatpersonen, nicht für ihn. Das war eine klare Neudefinition seines Versprechens.
Was wir jetzt sehen, ist die operationelle Konsequenz davon. Kein Drama mehr, keine Entschuldigung — nur wöchentliche 8-K-Filings. Strategy verkauft Bitcoin, weil es muss. Nicht weil es will. Der Unterschied ist wichtig.
Strategys Ziel ist es, STRC mittelfristig wieder auf 100 Dollar zu bringen. CEO Phong Le sagte an der letzten Quartalspräsentation, die Aktie solle «langfristig bei 99 bis 100 Dollar» handeln. Aktuell notiert STRC im Pre-Market bei 95,55 Dollar — näher am Ziel als noch im Juli, aber noch nicht da.
Ob das funktioniert, hängt an zwei Dingen, die Strategy nicht vollständig kontrolliert: dem Bitcoin-Preis und dem Vertrauen der Märkte in dieses Konstrukt. Laut BitcoinTreasuries.NET hält Strategy per heute 840.447 BTC — das ist immer noch mehr als das Zwanzigfache von Twenty One Capital, dem nächstgrössten Corporate-Halter mit 43.514 BTC. Die Position ist nicht gefährdet. Das Narrativ schon.
Zur Aktie: MSTR handelt heute bei 100,01 Dollar und hat die Widerstandszone bei 105 Dollar nun zum dritten Mal abgewiesen — nach identischen Rückweisungen am 8. Juli und 21. Juli. Das ist kein gutes technisches Bild für Aktionäre, die auf einen Ausbruch warten.
Was wir noch nicht wissen
Ein paar Dinge bleiben offen, die ich ehrlich benennen will:
- Bis wann hören die Verkäufe auf? Unter dem laufenden Rückkaufprogramm stehen noch 785,2 Millionen Dollar an STRC-Buyback-Kapazität zur Verfügung. Ob Strategy das voll ausschöpft und wie schnell, ist unbekannt.
- Kehrt Strategy zurück zum Kaufen? CEO Phong Le sagte, das Ziel sei es, STRC als «Digital Credit Engine» zu reparieren, die das Bitcoin-Akkumulationsmodell trägt. Aber es gibt noch kein konkretes Signal, ab wann wieder gekauft wird.
- Was passiert mit dem Bitcoin-Preis? Der BTC-Preis reagierte zuletzt auf Makrodaten — insbesondere auf einen schwächer als erwarteten US-Arbeitsmarktbericht. Diese Woche stehen wichtige Inflationsdaten an, die die Erwartungen an Fed-Zinsentscheide verschieben könnten. Das ist kein internes Strategy-Problem — aber es beeinflusst den Wert des Gesamtkonstrukts direkt.
- Wie reagieren die STRC-Halter? Schätzungen zufolge halten Privatanleger rund 8,8 Milliarden Dollar in STRC — ein Instrument, das als stabil vermarktet wurde. Wie diese Anlegergruppe auf anhaltende Discounts reagiert, ist eine offene Frage.
Was bleibt
Strategy ist nicht in einer Krise. Aber es steckt in einem Dilemma, das es sich selbst geschaffen hat: Ein Konstrukt, das auf steigenden Bitcoin-Preisen und stabilen Vorzugsaktien-Kursen aufbaut, funktioniert nicht reibungslos, wenn beides gleichzeitig unter Druck gerät.
Der Plan jetzt lautet: Cash aufbauen, STRC reparieren, dann wieder kaufen. Das kann aufgehen. Es kann aber auch sein, dass der Markt weiter wartet — und Strategy weiter verkauft.
Was ich mitnehme: Der Unterschied zwischen «nie verkaufen» als Philosophie und «nie verkaufen» als Geschäftsmodell ist riesig. Saylor hat das selbst eingeräumt. Und wer Strategy-Produkte hält — ob MSTR, STRC oder irgendein anderes «Stretch»-Instrument — sollte genau wissen, in welchem Teil dieses Konstrukts er sitzt.
Keine Anlageberatung. Einordnung auf Basis öffentlicher Filings und Marktdaten von heute, 10. August 2026.
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